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Das Universalgenie unter den Wasserflächen in Niedersachen: Zu Gast am Dümmer See

Obwohl der Dümmer, der auch als Dümmer See bekannt ist, nach dem Steinhuder Meer „nur“ der zweitgrößte See in Niedersachsen ist, gilt er bei Wassersportlern und Naturfreunden als erste Wahl. Die rund zwölf Quadratkilometer große Wasserfläche bietet bei einer maximalen Wassertiefe von nur gut einem Meter vielfältige Bade- und Wassersportmöglichkeiten. Der fischreiche See, der auch als beliebter Brut- und Rastplatz für Vögel angenommen wird, ist bekannt für eine vielfältige Flora und Fauna. Deshalb stehen das West- und das Südufer des Sees sowie ein Streifen an seinem Ostufer weitgehend unter Naturschutz.


Autor: Werner Menzel
Fotos: werner-menzel.de


Der Ort Lembruch, direkt am Ostufer des Dümmer gelegen, ist ein idealer Ausgangspunkt, um den See und die Region zu entdecken. Lembruch verfügt über eine gut ausgebaute Gastronomie, bei der häufig lokale Produkte der ortsansässigen Fischer oder Schäfereibetriebe die Speisekarten beherrschen.

Wer mit der eigenen Unterkunft, sprich dem Wohnwagen oder Campervan, anreist, findet in unmittelbarer Ufernähe saubere und voll ausgestattete Campingplätze. Ein kleiner Yachthafen sowie die Möglichkeit, Boote, Surfboards oder SUP-Bretter zu mieten, machen das Angebot komplett.

12.000 Jahre alt und jung geblieben

Die recht wasserreichen Quellen und auch die durchfließende Hunte halten den Wasserstand des Dümmers relativ konstant. Früher verursachten diese Zuflüsse in Verbindung mit starkem Niederschlag regelmäßig Überschwemmungen, so dass man in den 1940er Jahren damit begann, den See weiträumig einzudeichen. Diese Notwendigkeit steht mit der Entstehung des Dümmer vor etwa 12.000 Jahren in Verbindung: Bisher hat man angenommen, dass der Dümmer eine so genannte Deflationswanne sei. Die umliegenden Dünen reichen jedoch nicht aus, um diese Bildung als Mulde zu deuten. Heute geht man davon aus, dass das Seebecken des Dümmers durch Eislinsen während der Weichsel-Kaltzeit geformt wurde.

Entdeckungen auf schwankendem Grund

Um das hier überall vorherrschende Moor besser kennenzulernen und die Zusammenhänge zu verstehen, fahren wir mit der Ströher Moorbahn mitten hinein ins Naturschutzgebiet Neustädter Moor. Mit gemütlichen 6 km/h schlängelt sich diese historische Moorbahn eine gute halbe Stunde lang durch die ursprüngliche Landschaft und endet schließlich am Startpunkt des „Moorpadd“. Ab hier geht es dann zu Fuß weiter über teils schwankenden Moorboden und vorbei an Aussichtspunkten oder hier weidenden Moorschnucken. Die nahen Verwandten der aus der Lünburger Heide bekannten Heidschnucken haben sich diesem feuchten und kargen Lebensraum angepasst und sind begehrte Fleischlieferanten in der Region.

Zum Ende der etwa einstündigen Expedition durch das ursprüngliche Moor geht es zurück Richtung Ströhen. Auf halbem Weg legen wir allerdings noch einen Stopp am Europäischen Fachzentrum Moor und Klima (EFMK) ein. Eine Führung durch diese hochkarätige Ausstellung, eine spannende Multivisionsshow sowie ein Barfußpark lassen uns das Moor mit allen Sinnen erleben und genießen.

Schnucken als Landschaftspfleger

Besucher des Dümmer Sees und der umliegenden Region machen automatisch Bekanntschaft mit den hier allgegenwärtigen Moorschnucken. Diese genügsame Schafrasse hat insbesondere in der Landschaftspflege eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Um die Moorlandschaften vor der Verbuschung zu schützen, halten die Schnucken unter anderem Baumtriebe kurz. Der Chef der Schäferei Ulenhof in Hemsloh, Wolfgang Johanning, und seine Schäferin Sabine Müller kümmern sich um die Schafherde des Betriebes. Der Ulenhof umfasst zwei Hofstellen in der Diepholzer Moorniederung. Er ist eine traditionelle Schäferei, wie sie heute nur noch selten zu finden ist, und die hauptsächlich für die Landschaftspflege eingeführt wurde. Auf 1.500 Hektar Hochmoor-Gebiet wird neben einer Herde Bentheimer Landschafe auch eine Herde Moorschnucken gehalten. Der Ulenhof ist zudem anerkannter Ausbildungsbetrieb für den Beruf Tierwirt in der Fachrichtung Schäferei.

Für Jeden was: Das Kleeblatt

Wer als Naturfreund das Gesamtpaket Dümmer erfahren möchte und sich auch gleich über die ereignisreiche Geschichte der Region informieren will, sollte sich Besuche des „Dümmer Kleeblatts“ in den Terminkalender schreiben. Zu diesem losen Zusammenschluss rund um den See gehören das Dümmer Museum in Lembruch, die Dümmer Vogelschau in Damme, die Naturschutzstation Dümmer am Ochsenmoor in Hüde sowie der Schäferhof des Vereins Naturraum Dümmerniederung in Stemshorn. Die einzelnen Besuchsmöglichkeiten sind auch heute noch aufgrund der Pandemielage nicht immer durchsichtig, so dass es ratsam ist, jeweils kurz vor Anreise mit den Zielen in Kontakt zu treten. Unabhängig davon lassen sich aber die Außenanlagen des Museums mit historisch korrekten Nachbauten ehemaliger Fischerhäuser oder auch der große Naturgarten direkt an der Naturschutzstation Dümmer jederzeit besichtigen. Insbesondere in der Umgebung der Naturschutzstation sind die Chancen groß, auf Weißstörche zu treffen!

Bootstour und Räucheraal

Darf es zum Abschluss des Besuches am Dümmer noch etwas romantisch werden? Dann ist eine Tour mit dem Elektroboot der Segelschule Schlick in Lembruch eine gute Idee. Da schmeckt das hervorragende Steak im Restaurant Dümmerhotel Strandlust gleich doppelt so gut. Alternativ lohnt ein Besuch der nahegelegenen Aalräucherei Hoffmann in Damme. Hier gibt es Einblicke in die Arbeit der Räucherei und dazu gleich leckere Gerichte rund um den einst häufigsten Fisch des Dümmer – übrigens auch gerne „to go“ als Mitbringsel für die Lieben daheim!

Weitere Informationen:
www.duemmer.de (Ferientipps aus dem DümmerWeser Land)
www.naturpark-duemmer.de (Infos rund um den Naturpark)
www.moorwelten.de (Besucherzentrum Moorwelten)
www.reiseland-niedersachsen.de (Tourismusmarketing Niedersachsen)

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