Der Morgen in Kaikoura, einem vom Ökotourismus geprägten Ort an der Ostküste der Südinsel Neuseelands, beginnt mit dem Geruch von Salz und Tang. Die Brandung rollt gegen die Felsen, dahinter ragen die Kaikoura Ranges schroff in den Himmel. Zwischen diesen Gegensätzen liegen sie: Seebären, reglos wie Treibholz, bis einer den Kopf hebt und blinzelnd in den Tag schaut.
– Text und Fotos: die-menzels.de –
Unseren Plan zur Walbeobachtung verschieben wir, denn nur wenige Minuten außerhalb entdecken wir die Seebärenkolonie. Besonders im neuseeländischen Sommer sind sie gut zu beobachten. Der Neuseeländische Seebär gehört zu den Ohrenrobben – erkennbar an kleinen Ohrmuscheln und seiner erstaunlichen Beweglichkeit an Land. Anders als Seehunde bewegen sie sich auf kräftigen Vorderflossen und wirken beinahe behände auf den Felsen. Ein respektvoller Abstand ist ratsam.

Ihr dichtes, wasserabweisendes Fell wurde ihnen einst zum Verhängnis. Im 18. und 19. Jahrhundert machte es sie zur begehrten Beute von Jägern.
Geschmeidige Unterwasserjäger
Im Wasser verwandeln sich Seebären in elegante Jäger. Mit kräftigen Vorderflossen „fliegen“ sie durch die Brandung, tauchen tief und jagen Fische, Tintenfische und Krill. Das Meer ist ihr Lebensraum – das Land dagegen Ruhezone und Kinderstube.
Entlang der Südinsel finden sich zahlreiche Kolonien. Besonders eindrucksvoll ist die Westküste mit ihren Fjorden. Im Milford Sound liegen Seebären auf Felsen, während Boote vorbeigleiten – dunkle Silhouetten vor einer Kulisse aus Nebel und Regenwald.
Bestände erholen sich langsam
Was einst fast ausgelöscht war, hat sich erholt. Nach massiver Bejagung im 19. Jahrhundert sorgten Schutzmaßnahmen für eine langsame Rückkehr. Heute gelten die Bestände als stabil, bleiben aber anfällig durch Klimawandel, Nahrungsknappheit und menschliche Einflüsse.

Zur Paarungszeit im späten Frühling besetzen große Männchen Territorien und verteidigen sie lautstark. Kämpfe entscheiden über den Zugang zu den Weibchen.
Erste Lebenswochen an Land
Die Weibchen bringen kurz nach ihrer Ankunft an Land ihre Jungen zur Welt. Die Bindung entsteht über Stimme und Geruch. Bald darauf kehrt die Mutter zur Nahrungssuche ins Meer zurück und lässt ihr Junges zurück, das in Gruppen mit anderen Jungtieren wartet.
Wenn sie zurückkehrt, erkennt sie ihr Junges am Ruf. Die nährstoffreiche Milch sorgt für schnelles Wachstum. Mit der Zeit werden die Jungen mutiger, spielen, erkunden die Felsen und wagen schließlich erste Schritte ins Wasser. Erst nach etwa einem Jahr sind sie selbstständig.

Rückkehr zeugt von Widerstandskraft
An windstillen Abenden klingt das raue Stimmengewirr der Kolonien weit über die Küste. Es ist kein harmonischer Klang, aber ein lebendiger – ein Zeichen dafür, dass die Seebären zurückgekehrt sind.
Wenn die Nacht über die Küste fällt und der Pazifik schwarz wird, liegen sie dicht an dicht auf den Felsen. Manche schlafen, andere heben noch einmal den Kopf, als wollten sie prüfen, ob alles in Ordnung ist. Dann senkt sich Ruhe über die Kolonie. Nur das Meer bleibt wach und wir verlassen unseren Beobachtungsposten auf den Klippen ganz weit unten am südlichen Ende der Welt.




